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Holzbau Göppert: Klein und fein

Johannes Göppert, Zimmermann und Restaurator aus Schönwald, ist ein erfahrener Experte, wenn es um die sachgerechte Restaurierung von Schwarzwaldhöfen geht. Göpperts Expertise war von Anfang an von dem neuen Eigentümer des Hofs am Mittelberg gefragt: Schon vor dem Erwerb ist Johannes Göppert beratend tätig gewesen, als es um eine erste Abschätzung der Substanz und die Machbarkeit des Projekts ging, und hat schließlich sämtliche Gewerke beim Umbau koordiniert. Nachdem der Hof erworben war, ging es erst einmal darum, ein Konzept zu entwickeln, das den Wünschen des Bauherren und der historischen Bausubstanz gerecht werden sollte. Bei einem Projekt dieser Art, wenn es um erfolgreiche Sanierungen alter Bausubstanz geht, hier im Speziellen um einen historischen Schwarzwaldhof, ist es wünschenswert, von Anfang an Handwerk, Planung, Denkmalpflege und Bauherren an einen Tisch zu bringen.

Zusammen mit dem Planer Dr. Stefan Blum und der zuständigen Referentin der Denkmalpflege, ist schließlich ein denkmalfachliches Konzept entwickelt worden. Die Anbindung der neu zu erstellenden Bauten in die historische Substanz wurde in einen Bauantrag gefasst, der bei den Baubehörden Zustimmung fand. Die wesentlichen Anforderungen waren, möglichst alle noch funktionsfähigen historischen Bauteile und Oberflächen zu erhalten und moderne bzw. nach dem Nutzungskonzept benötigte Räume und Ausbauten in dem bereits vorab mehrfach baulich veränderten Ökonomie-Teil, Stall und Heubühne, anzusiedeln. Gewünscht war vom Bauherren, die in der Ausstattung und Optik fast ursprünglichen Stuben und Kammern möglichst zu bewahren. Alle noch funktionsfähigen Fenster sind von den Holzbau-Göppert Schreinern liebevoll restauriert und instand gesetzt bzw. mit Isolierglasfenstern ergänzt worden. Im heutigen Stüble ist der nach Abbau der kaputten Verkleidungen wieder sichtbare Fenstererker instand gesetzt und mit originalgetreu nachgebauten Kastenfenstern mit Schiebern ausgestattet worden. Der heutige Gesellschaftsraum im ehemaligen Stall ist mit einer selbsttragenden BSH-Decke von der Heubühne abgetrennt, mit einer gedämmten Bodenplatte von unten isoliert und mit einer Befensterung versehen worden, die dem ehemaligen Bohlenwand-Charakter nahekommt. So fällt der komfortable Raum in der Außenansicht kaum auf und hält sich optisch sehr zurück, was dem einstigen Erscheinungsbild des Hofes näherkommt. In der darüber liegenden ehemaligen Heubühne sind komfortable Schlaf- und Sanitärräume eingebaut worden.Dem fast noch im Originalzustand von 1758 rauchgeschwärzten Dachstuhl kam bei der Sanierung eine besondere Bedeutung zu. Das alte Schindelpaket war noch vorhanden, auch die vom Ruß konservierten waldkantigen Dachlatten über den Großteil der Flächen blieben erhalten. Eine Herausforderung war der Wunsch des Bauherren, das Dach ebenfalls mit einer Dämmung zu versehen und damit das Dachgeschoss als Wohn- und Arbeitsraum nutzbar zu machen. Mit einer außergewöhnlichen Lösung, die gemeinsam mit dem Planer Zimmermann und der Denkmalpflege entwickelt und abgestimmt wurde, wurde eine Möglichkeit gefunden, dem gerecht zu werden. Das Schindelpaket wurde vorsichtig entnommen, um die ursprünglichen Dachlatten reinigen und wiederverwenden zu können. Als Raumabschluss wurden Dreischichtplatten auf den Dachlatten verlegt, um die darüber liegende Dachisolation aus Zellulose und Holzfaserplatten installieren zu können. Diese Optik mit den historischen schwarzen Dachlatten und den hellen Fichtenholzplatten gibt dem neu entstandenen Dachraum ein außergewöhnliches Erscheinungsbild, welches die Originalkonstruktion sehr schön erleben lässt. Die Dachvorsprünge wurden nur in der oberen Ebene der Dachlattung erstellt. So konnte gewährleistet werden, dass trotz Aufdachdämmung nur leichte und schmale Dachränder zu sehen sind. Vervollständigt mit einer Dachdeckung in gespaltenen Alaska-Weiß-Zeder-Schindeln ergibt sich eine harmonische Ansicht des Dachkörpers. Bei der gelungenen Realisierung des Gesamtobjekts „Mittelberg“ spielte die langjährige Erfahrung von Holzbau Göppert mit den alten Schwarzwaldhöfen eine große Rolle. Die Vernetzung von Holzbau Göppert mit ausgewählten Handwerksbetrieben aller Gewerke, die ihre Erfahrung und Leidenschaft bei ihren Arbeiten miteingebracht haben, sowie die Abstimmung und Planung führten zu einem gesamtheitlich gelungenen Ergebnis, auf das alle stolz sein können. So freut sich Holzbau Göppert immer wieder, mit seiner Arbeit dazu beigetragen zu haben, dass die Baukultur im Schwarzwald authentisch bleibt und die jahrhundertealte Handwerkskunst der Zimmerer gepflegt wird. Ergänzt durch moderne Elemente und Techniken sind diese Höfe wirtschaftlich bewohnbar und können mit den heutigen Ansprüchen mithalten.

Text: Johannes Göppert, Claudia Karrer

Fotos rechte Seite: Claudia Karrer, Foto links oben: Johannes Göppert

Firmeninformationen

Holzbau Göppert
Robert-Gerwig-Straße 22
D-78141 Schönwald im Schwarzwald