Foto-fuer-Einleitungstext

Bauwerk Schwarzwald e. V.

Stellen Sie sich irgendeinen Dorfplatz oder ein Stadtzentrum vor … Wie sieht dieser Ort aus? Vielleicht ist er umgeben von historischen Gebäuden wie einem Rathaus, Gasthaus, Schloss oder einer Schule… Oder ein markantes modernes Gebäude fügt sich in die restliche Bestandsarchitektur des Platzes harmonisch ein. Vielleicht sieht man sich aber auch an einem unwirtlichen oder nichtssagenden Ort, der wenig anheimelnd wirkt und dem man schleunigst wieder den Rücken kehren möchte. Stellen Sie sich nun die Randgebiete irgendeines Dorfes oder Städtchens vor … Was kommt Ihnen da in den Sinn? Richtig: die immergleichen Bilder. Denn im Allgemeinen sind diese Neubaugebiete zumindest äußerlich betrachtet austauschbar.

Hat man eines gesehen, kennt man alle? Die Ausweisung neuer Baugebiete sollte daher immer mit Bedacht geschehen. Dazu gehört, dass die Möglichkeit zur Nachverdichtung der Ortskerne oder zur Umnutzung bestehender Gebäude vorab geprüft wird. Ist ein neues Baugebiet dennoch erforderlich, lohnt es sich für eine Gemeinde, in eine gute Stadtplanung zu investieren, die den bestehenden Ort analysiert und darauf aufbauend reagiert und plant. Eine weitere Möglichkeit zur Regulierung bietet die Aufstellung einer Ortsbildsatzung. Diese kann die Gemeinde selbst erstellen und darin bereits Kriterien festschreiben, die für eine gelungene Ortsentwicklung passend erscheinen – je nach Standort etwa bestimmte Bauweisen, Dachformen, Fenstergrößen oder die Auswahl der Materialien. Die individuell festgelegten Kriterien tragen zur Unverwechselbarkeit eines Ortes bei. Durch sie werden Gestaltungsgrundsätze 

und der Rahmen für die notwendigen oder gewünschten baulichen Veränderungen bereits vorgegeben, sodass jegliche Baumaßnahmen grundsätzlich und nicht nur in historisch gewachsenen Ortskernen abgestimmt und genehmigt werden müssen. Allerdings führt auch eine solche Satzung nicht immer zu den gewünschten Ergebnissen.

In jedem Falle gilt:

– Immer besser nachverdichten, bevor weitere Flächen versiegelt
  werden.

– Neubaugebiete nur mit überlegter Planung – sei es durch die
  eigene Baubehörde oder durch externe Stadtplanungsbüros.
– Ein Gestaltungsbeirat sollte in den Gemeinden implementiert
werden.

– Eine Analyse des Standortes und der bestehenden Ortsmitte sollte
immer zugrunde liegen.

– Eine Gemeinde sollte selbst den Zugriff auf ihre Grundstücke und
damit auch die Möglichkeit der Planungshoheit behalten.

– Die Bürger sollten in die Vorgehensweise, wie z. B. Satzungen,
miteinbezogen werden.

Zur Beratung der Kommunen sollte eine unabhängige Gestaltungskommission hinzugezogen werden, wie sie beispielsweise an den Verein Bauwerk Schwarzwald angegliedert ist. Diese setzt sich aus externen Architekten und Beratern aus dem Planungsbereich zusammen. Unverbindlich bietet sie neben privaten oder gewerblichen Bauherr*innen auch Kommunen in der gesamten Schwarzwaldregion Beratungen an, etwa wie deren Ortsbild erhalten oder konsequent weiterentwickelt werden kann oder wie sich ein Neubaugebiet integrativ in einen Ort einfügen könnte.

Die Wahrung der hiesigen Baukultur entspricht auch den Zielen der Landesregierung, die den Verein unter anderem genau deshalb fördert. Und so wurde die Gestaltungskommission im Herbst 2022 durch die Stadt Kandern kontaktiert, um deren Beratungsangebot über das Förderprogramm Entwicklung Ländlicher Raum (ELR) in großem Umfang in Anspruch zu nehmen und gemeinsam mit dem Landkreis Lörrach anhand mehrerer Fachvorträge zur Bau- und Gestaltungsberatung und über das Förderprogramm Entwicklung Ländlicher Raum (ELR) zu informieren. Der Aufruf stieß auf großes Interesse. Ziele dieses ELR-Förderprogramms mit dem Schwerpunkt „Wohnen“ sind neben der Schaffung von Wohnraum auch der Erhalt und die Stärkung der Ortskerne einschließlich der Siedlungsgebiete. Dies betrifft all jene, die z. B. bereits vorhandene Bausubstanz umnutzen möchten oder aber eine Modernisierung, Aufstockung oder einen Neu- bzw. Umbau planen.

Dieses Beispiel ist als großer Glücksfall zu werten – für Bauherr*innen, für die Kommune sowie für den gesamten Schwarzwald –, der als modellhaft für die gesamte Region und noch weit darüber hinaus gelten könnte. Ein weiteres Beispiel gelungener Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Gestaltungskommission stellte im Frühjahr 2022 die Kooperation mit der Gemeinde Kirchzarten zum Bebauungsvorhaben von Zarten dar: Im Jahr zuvor hatte in Kirchzarten ein Baugesuch in einer Gemeinderatssitzung zu einer kontroversen Debatte geführt. Anlass war ein groß angelegtes Baugesuch über 23 Zwei- bis-Vier-Zimmer-Wohneinheiten nebst Tiefgarage direkt an der alten B31 auf dem Areal des alten Seppenhofs, der dafür abgerissen werden sollte. Am Ende der Sitzung stand der einstimmige Beschluss einer Veränderungssperre – und die Chance, die bauliche Zukunft dieses Ortes mit seinem gewachsenen historischen Ortskern neu zu überdenken.  

Die vorgeschlagene Neubebauung wäre rechtlich möglich gewesen. Umso beachtlicher und verdienstvoller ist die Bereitschaft von Gemeinde und Planern zu nennen, im Rahmen einer Bürgerbeteiligung auch den von Bauwerk Schwarzwald eingebrachten Vorschlag eines Workshops aufzugreifen, in dem die Bürgerschaft informiert, beraten und gehört
werden sollte – mit dem Ziel, einerseits den Charakter Zartens zu bewahren sowie andererseits den heutigen Ansprüchen für Wohnen und Arbeiten zu genügen und zugleich mehr Wohnraum zu schaffen. „Solch einen intakten Ortskern zu haben, ist ein Pfund, mit dem der Ort Zarten wuchern kann“, ist die Vorsitzende von Bauwerk Schwarzwald Diana Wiedemann überzeugt. Klarer Tenor der Bürgerschaft war denn auch der Wunsch nach der Erhaltung der dörflichen Struktur mit ihren gewachsenen Proportionen, die deren optischen Erhalt beim Umbau alter Höfe und Scheunen beinhaltet. Auch hier könnte sicherlich die an den Verein Bauwerk Schwarzwald angegliederte Gestaltungsberatung wegweisend sein. Es wäre jedenfalls wünschenswert, dass auch andere Gemeinden den Verein in ihre Vorüberlegungen zu geplanter Umstrukturierung miteinbeziehen, wie es etwa die Stadt Kandern und die Gemeinde Kirchzarten auf so umsichtige wie vorbildliche Weise getan haben.

[Bauwerk Schwarzwald e. V. | gegründet im Juli 2020 | Netzwerk, Anlaufstelle, Kompetenzzentrum zur Förderung und Sensibilisierung für Schwarzwälder Architektur, Handwerk und Design in Titisee-Neustadt | gefördert vom Land Baden-Württemberg (MLR) | www.bauwerk-schwarzwald.de]

Film:

 

Bollenhut, Kuckucksuhr und Schwarzwälder Kirschtorte – das sind allgemeinhin die Symbole, mit denen der Schwarzwald assoziiert wird. Und … richtig: der Schwarzwaldhof. Denn ohne diesen wäre diese Kulturlandschaft nicht denkbar; entwickelte sich doch hier, angepasst an die örtlichen Rahmenbedingungen wie Klima, Relief und verfügbare Baustoffe, eine eigene Architektursprache und Kultur des Bauens, welche einerseits für die Bevölkerung identitäts- und heimatstiftend ist und andererseits die große Attraktivität der Schwarzwaldregion ausmacht.

Allerdings haben sich im Lauf der Zeit die Ansprüche an die Gebäude, Bauweisen und das Design geändert. Der allgemeine Baustil wurde immer beliebiger und regelrecht austauschbar. Und so stellte sich die Frage, wie sich das, was an charakteristischer Baukultur im Schwarzwald noch vorhanden ist, erhalten, weiterentwickeln oder umnutzen lässt: Der ideelle Grundstein für Bauwerk Schwarzwald war gelegt. Der Verein möchte dem Strukturwandel etwas entgegensetzen, indem er die regionsspezifische Bau- und Handwerkskultur fördert, Fachleuten eine Plattform und ein Netzwerk und nicht zuletzt Bauherren und Interessierten eine Anlaufstelle bietet.

Nach mehrjährigen Vorarbeiten fand am 28. Juli 2020 in Titisee die Gründungsversammlung von „Bauwerk Schwarzwald e. V.“, dem Kompetenzzentrum für Schwarzwälder Architektur, Handwerk und Design, statt. Dabei übergab Landwirtschaftsminister Peter Hauk MdL für die finanzielle Unterstützung der Initiative durch das Land Baden-Württemberg einen Fördergutschein über die Dauer von drei Jahren.

Im Februar 2021 bezog Bauwerk Schwarzwald in Titisee-Neustadt seine eigenen Geschäftsräume. Schon kurz darauf konnte der Verein mit der Prämierung des geplanten „Zentrums Holzbau Schwarzwald“ (ZHS) beim Wettbewerb „RegioWIN 2030“ für sich einen ersten großen Erfolg verbuchen – als eines von insgesamt 38 Leuchtturmprojekten aus elf Regionen, gefördert aus dem europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).
Im Frühjahr 2022 hat sich das Zentrum Holzbau Schwarzwald GmbH gegründet und den Vollantrag eingereicht. Bauwerk Schwarzwald ist einer von elf Gesellschaftern. Etliche weitere Meilensteine stehen auf der Agenda von Bauwerk Schwarzwald. Eine seiner Kernaufgaben sieht der Verein in der Gestaltungsberatung. Dieses Netzwerk professioneller Ansprechpartner*innen berät sowohl private Bauherren als auch öffentliche Verwaltungen, und zwar unabhängig und kostengünstig zu allen Themen rund um Neubau, Umbau und Sanierung im Schwarzwald. 

Ebenfalls unterstützend soll eine Handreichung „Schwarzwaldhöfe“, eine Art Ratgeber für private wie kommunale Bauherren, die der Verein gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalschutz (LAD) entwickelte, verhindern helfen, dass auch weiterhin die historischen Schwarzwaldhöfe von der Bildfläche verschwinden.

Mit einer digitalen Veranstaltungsreihe, dem Bauwerk Talk, tritt der Verein im Abstand von sechs bis acht Wochen öffentlich in Erscheinung: Den Auftakt machte im Juni 2021 das Thema „Bausünden“. Mittlerweile kann der Verein auf zahlreiche Talk-Veranstaltungen zurückblicken. Die Termine sind auf der Website veröffentlicht und werden jedem Newsletter-Abonnenten regelmäßig zugesandt.

Die Hauptidee hinter all dem: Bauwerk Schwarzwald versteht sich 

• als eine Plattform zur Erhaltung und Weitergabe von Wissen und Kulturgut,

• als ein Kompetenzzentrum für Fachleute und Interessierte,

• als ein Dach für bestehende und neue Initiativen,

• als ein Netzwerk für Unternehmen, Verbände und Initiativen, 

Privatpersonen, Gebietskörperschaften, Kommunen und Land.

Eine gesonderte Arbeitsgruppe beschäftigte sich in 2022 mit der Erstellung einer Architekturroute. Diese soll durch ausgewählte vorbildliche Beispiele die regionale Baukultur sichtbar machen und so das öffentliche Bewusstsein für dieses außergewöhnliche Erbe schärfen. Auf diese Weise hofft der Verein, einerseits Tradition zu erhalten, die sich andererseits zukünftigen innovativen Nutzungskonzepten gegenüber öffnet und auch zeitgemäße Architektur miteinschließt. 

Ziel: Die Architekturrouten (es werden mehrere Routen sein) zeigen auf, wie beispielhaftes, gutes regionales Bauen im Schwarzwald gelingen kann. Private, kommunale oder gewerbliche Bauherren, interessierte Bürger und Gäste sowie letztlich alle an Bauwerken und Architektur Interessierte können die Objekte der Architekturroute aufsuchen und so Anregungen für eigene Neu- oder Umbau-Vorhaben beziehen. Dadurch möchte der Verein einem seiner Hauptanliegen – nämlich die charakteristische Baukultur im Schwarzwald zu erhalten und zu fördern – nachkommen.

Teilnehmen können an diesem kontinuierlichen Verfahren fertiggestellte Objekte (Neubau, Erweiterung und Bauen im Bestand) aus den Baujahren ab 2001. Ein Auswahlgremium (zwölf Planer, Architekten, Experten aus Tourismus, Kultur usw.) hat im Juli und August 2022 die eingereichten Objekte begutachtet, teilweise bereist und abschließend bewertet. Es wurden 95 von 168 eingereichten Objekten durch die Juroren ausgewählt. Diese verteilen sich über den gesamten Schwarzwald (siehe Übersichtskarte).

Folgende Bewertungskriterien wurden von der Jury angewandt:

• zeitgemäße Architektur für Landschaft und Siedlungsstruktur

• Funktionsbegründete Gestaltung nach heutigen Nutzungsbedingungen

• Konstruktions- und Ausführungsqualität

• energetische Effizienz

• besondere Aspekte wie Denkmalschutz, Bestandsanforderungen, positiver Einfluss auf das soziale Umfeld, bürgerschaftliches 

Engagement und ökologische Aspekte

Bauwerk Schwarzwald hat damit 2022 erstmals das Verfahren durchgeführt; aus Sicht des Vereins wurde mit der hohen Zahl an Einreichungen in Anzahl und Qualität ein tolles und auch überraschendes Ergebnis erzielt. 

Derzeit werden alle Objekte aufbereitet und über die digitalen Kanäle, Ausstellungen und Veranstaltungen verbreitet und vorgestellt. Einige Beispiele stellen wir Ihnen in dieser Ausgabe vor.

Text: Bauwerk Schwarzwald

Foto Slider: Marin Granacher

Der Lippenhof/lehmann_holz_bauten St.Georgen

Unterkirnach (Haus in Haus) wird in dieser BAUART auf den Seiten 20 – 23 vorgestellt.

Architekturroute 2022 Bauwerk Schwarzwald

Mehrgenerationenhäuser in Oberried

Architektur

STUDIOBORNHEIM Unger Ritter Architekten, Frankfurt am Main

Bauherrschaft

Gemeinde Oberried

Beschreibung

Zwei versetzt angeordnete Gebäude klären die Räume auf dem Ursulinenareal in Oberried. Aus diesen entsteht ein neuer Dorfplatz als Bindeglied zum Ortszentrum sowie ein öffentlicher Garten entlang des Baches Brugga. Das Gegenüber der beiden Häuser sowie deren leichte Drehung verleiht dem Ensemble eine spannungsvolle Wirkung. Bewusst spielt es mit der Abstraktion vertrauter Elemente und fügt sich mit großer Selbstverständlichkeit in die gewachsenen Strukturen ein. Das starke bürgerschaftliche Engagement führte zu einer frühzeitigen Beteiligung aller Akteure.

Auch in das öffentliche Leben von Oberried ist das Mehrgenerationenprojekt eingebunden, ohne den Eindruck einer institutionellen Pflegeeinrichtung zu vermitteln. Es umfasst den Neubau einer bürgerschaftlich verantworteten Tagespflege mit Betreuungs-Apartments und einer selbstverantworteten Pflege-Wohngemeinschaft im Erdgeschoss sowie zehn barrierefreie Mietwohnungen im Obergeschoss. Durch ein großzügiges Dachoberlicht fällt Tageslicht über das Treppenauge bis hinunter in den Eingangsbereich. Der zentrale, wie eine luftige Mitte wirkende Treppenraum dient den Bewohnern als Treffpunkt. Alle Wohnungen verfügen über wettergeschützte Loggien mit vielfältigen Ausblicken in die dörfliche Umgebung. Die kompakte Organisation ermöglicht für Bewohner und Pflegepersonal sehr kurze Wege. Der großzügige Freisitz mit Ausblick auf Dorfplatz und Garten steht allen Bewohnern zur Verfügung.

Die Häuser wurden als KfW-Effizienzhaus 55 errichtet. Unter Haus Nord befindet sich eine Holzhackschnitzel-Heizzentrale zur Nahwärmeversorgung aller Gebäude auf dem Ursulinenareal. Die Dachflächen sind mit einer Photovoltaikanlage zur Eigenstromversorgung ausgestattet.

Standort

79254 Oberried, Hauptstraße 20-20a

Fotos: Jessica Alice Hath Fotografie

Katholisches Gemeindezentrum

Architektur 

Harter + Kanzler & Partner Architekten PartGmbB, Freiburg

Bauherrschaft

Kath. Kirchengemeinde, Haslach

Beschreibung

Das alte Pfarrheim wurde wegen erheblicher organisatorischer und bausubstanzieller Defizite abgebrochen. Dadurch eröffnete sich die Chance und Herausforderung die innerörtliche Ecke Am Schafsteg / Goethestraße mit einem signifikanten Gebäude städtebaulich aufzuwerten und zugleich den (bau-) kulturellen und sozialen Ansprüchen der Kirchengemeinde zu genügen. 

Die Zonierung der Innenräume reflektiert die äußere Form. So wechselt der zweigeschossige „Kopf“ an der Kreuzung mit Küche, Nebenräumen im EG und den darüber liegenden Vereins- und Jugendräumen mit dem eingeschossigen, überhöhten Gemeindesaal. Die großzügige Fassadenverglasung sowie die besondere Eingangssituation mit Arkadengang laden die Menschen ein am kirchlichen Gemeindeleben teilzunehmen. 

Das Gebäude wurde ab dem Erdgeschoss konsequent in zeitgemäßer Holzbauweise erstellt. Es ist zweckmäßig und modern. Ein reduzierter Farb- und Materialkanon unterstreicht den puren Charakter der Architektur und verstärkt gleichzeitig den einheitlichen Eindruck von Innen und Außen.

Der durchgängig verwendete Baustoff Holz findet sich auch im Innenausbau wieder, erscheint aber trotzdem nicht im Übermaß. Das harmonische Gebäude bietet eine nachhaltige nutzbare Gemeinschaftsstruktur. Es empfängt seine Besucher offen und freundlich und nimmt nach außen zu seiner Umgebung deutlich Bezug auf.

Standort

77716 Haslach, Goethestraße 6

Fotos: Martin Granacher

Haus in Scheune 

Architektur
Dipl- Ing. Ralf Brandhofer Freier Architekt, Berlin 

Bauherrschaft

Familie Ruser-Keller, Sitzenkirch

Beschreibung

Direkt am Lippisbach, unmittelbar gegenüber der ehemaligen Klosterkirche von Sitzenkirch, liegt fast unscheinbar die Scheune aus den frühen 1970er Jahren. Die Bauherren haben sie mit viel Engagement und Eigenleistung zu einem Wohnhaus mit Einliegerwohnung umgebaut. Mit ihrem ortsansässigen Maurer- und Betonbauerbetrieb brachten sie nicht nur das entsprechende Know-how, sondern auch sehr viel Gespür für den Ort und die Substanz mit.

Die beiden Wohnungen wurden passgenau in den vorhandenen Scheunenraum eingefügt. Sie entwickeln sich als massive Baukörper aus dem Sockel in den hölzernen Dachraum. Im Bereich der Tenne sind sie über eine Betonbrücke mit Treppenaufgang verbunden. Außen grob verputzt, innen aber zeitgemäß und fast schon minimalistisch gestaltet, füllt sich die schön gelegene Scheune mit neuem Leben, ohne ihre ursprüngliche Bestimmung zu verbergen. 

Der Beton an Boden und Decke und die weißen, fein verputzten Wände werden mit Fenstern, Türen und Einbauten aus Weißtanne kombiniert. Entsprechend der Höhenstaffelung der Baukörper zoniert, öffnen sich die Wohnungen über großformatige Verglasungen nach draußen und nehmen direkten Bezug zur Umgebung auf.

Außen ist die Veränderung kaum wahrnehmbar. Die hölzerne Brettschalung wurde erhalten, nur die eingeschnittenen Fensteröffnungen und ein markanter Betonbalkon verweisen auf das Neue im Inneren. Genau so haben sich das die Bauherren auch vorgestellt. Ein besonderer Ort mit vielen Zeitschichten, der zugleich Geschichte und Ortsbild bewahrt.

Standort

79400 Kandern-Sitzenkirch, Mühlenstraße 9

Fotos: Jessica Siegel, Cölbe

Hotel Traube Tonbach

Architektur

ARP Architektenpartnerschaft Stuttgart GbR

Bauherrschaft

Familie Finkbeiner KG, Baiersbronn

Beschreibung

Bei einem verheerenden Brand im Januar 2020 wurden die Restaurants des Hotels Traube Tonbach völlig zerstört. Die städte- und landschaftsplanerische Herausforderung war, den Neubau auf dem kleinen, steilen Grundstück in die verstreut stehenden Wohnhäuser zu integrieren. Dem Erscheinungsbild nach an ein Schwarzwälder Gehöft angelehnt bilden nun drei Einzelhäuser ein stimmiges Ensemble. 

Die Fassade zur Straße hin zeigt sich eher geschlossen. In Richtung Tal ermöglichen großzügige Verglasungen und Terrassen einen besonderen Ausblick. Natürliche Materialien, wie vergraute Holzschindeln, grober Putz und Ziegeldach wirken im ländlichen Raum vertraut. Das Granitpflaster sowie die Lehmwand des Außenbereichs setzen sich im Foyer fort und bilden so eine Verbindung zwischen Innen und Außen.

Über ein zentral gelegenes Foyer gelangt man in die drei Häuser mit je einem der insgesamt drei Restaurants: das 3-Steme-Restaurant, die Schwarzwaldstube, das 1-Sterne-Restaurant mit dem Namen 1789, sowie das Schatzhauser, die ehemalige Köhlerstube. Alle Räume bestechen durch ihren individuellen Innenausbau mit vorwiegend natürlichen Materialien wie Holz, Granit oder Glas. Der komplexe Service- und Küchenbereich mit all seinen Vorbereitungs-, Ver- und Entsorgungsräumen erstreckt sich über zwei Geschosse. Um Bauhöhen und Wege zu reduzieren, wurde für jedes Haus eine eigene Technikzentrale eingerichtet. Die Abwärme der Blockheizkraftwerke und der Kälteanlage werden zur Beheizung und Warmwasserbereitung genutzt. Die Lüftungsanlagen sind mit hocheffizienten Wärmerückgewinnungssystemen ausgestattet.

Standort

72270 Baiersbronn, Tonbachstraße 237

Fotos: Roland Halbe Fotografie

Bauwerk Schwarzwald e. V.
Glasbergweg 7
79822 Titisee-Neustadt


Objektpräsentation
Architektur | Holzbau | Sanierung
Objekt ansehen ⇢